20. Februar 2017

OpenOlitor

Inhalt dieser Seite:

– Idee und Kontext –
– OpenOlitor-Team: Visionen und Prinzipien –
– Verein OpenOlitor –
– Die Geschichte von OpenOlitor

Idee und Kontext

Regionale Vertragslandwirtschaft (RVL), Solidarische Landwirtschaft (SOLAWI) und Direktvermarktungen in Abonnementsform sind eine Möglichkeit, die landwirtschaftliche Produktion und den Konsum neu zu gestalten. Gegenwärtig entstehen laufend neue Projekte unterschiedlichster Ausprägung. Sowohl Konsumentinnen und Konsumenten als auch Produzentinnen und Produzenten erkennen die Vorteile einer regionalen Vernetzung, schätzen den direkten Kontakt, die Verhandlungen über Produktionsbedingungen, Qualität und Preise sowie die Verbindlichkeit einer Zusammenarbeit auf Basis von Jahres- oder Saisonverträgen. Mit OpenOlitor wollen wir bestehende, insbesondere aber auch neu entstehende Initiativen unterstützen, indem wir eine der grössten Hürden auf dem Weg zu einer funktionierenden Organisation abbauen – die einer zuverlässigen und zeitsparenden Administration. Um die komplexen Strukturen zu administrieren und gleichzeitig das Risiko tief zu halten und die Arbeiten in der Administration nicht unnötig anwachsen zu lassen, braucht es eine auf die Zielsetzungen der Initiativen und Betriebe angepasste Softwarelösung.

OpenOlitor Team: Vision und Prinzipien

Die Idee einer europaweit einsetzbaren OpenSource-Software OpenOlitor (GPL V3) wird von einem internationalen Team getragen. Dieses Team ist nicht als selbständige rechtliche Einheit organisiert. Das Team besteht aus Aktiven, die hier aufgeführt sind. Dieses Team hat folgende Visionen und Prinzipien:

Vision:

  • Im Sinne eines „Community supported programming“ (von der Gemeinschaft der Nutzenden getragene Software) die Software OpenOlitor für CSA-Initiativen (RVL-Initiativen, SOLAWI’s, etc) in ganz Europa erhalten und weiterentwickeln.

Prinzipien:

  • Kooperation, Verantwortung, Partizipation und Zugehörigkeit: Wir arbeiten mit allen an OpenOlitor Interessierten zusammen. Die Zusammenarbeit kann vielfältigste Formen annehmen (bspw. reiner Infoaustausch, punktuelle Zusammenarbeit, enge Zusammenarbeit im Kernteam von OpenOlitor) und sie ändert sich im Verlauf der Zeit. Personen, die sich für OpenOlitor interessieren, werden von uns kontaktiert und willkommen geheissen. Wir erwarten in der Folge, dass sich Interessierte selbst ihren Platz und ihre Aufgaben suchen, wir helfen bei der Orientierung und stellen Wissen und Informationen zur Verfügung.
  • Dokumentation, Transparenz: Wir verschriftlichen unsere Überlegungen und unsere Arbeit soweit wie möglich, damit die bisherige Entwicklung von OpenOlitor für neue Engagierte und für Dritte nachvollziehbar ist. Sowohl unbestrittene wie auch strittige Themen werden benannt und bekannt gemacht.
  • Entscheidfindung: Wer von einer Fragestellung betroffen ist, kann darüber einen Entscheid in die Wege leiten. Dazu werden alle anderen Betroffenen und Personen mit Fachwissen um Rat gefragt. Die Person, die den Entscheid in die Wege leiten möchte, setzt sich mit dem gegebenen Rat auseinander, fällt danach selbständig einen Entscheid und trägt die Verantwortung für die Folgen. Der Entscheid ist für anderen nicht bindend.
  • Lob, Fehler und Feedback: Gute Arbeit wird gelobt. Fehler werden benannt, sobald sie erkennbar werden. Feedback basiert auf Sachkenntnis und Überlegung.
  • Verhältnismässigkeit und Pragmatismus: Unsere Zusammenarbeit ist vom Prinzip der Verhältnismässigkeit geprägt. Dies bedeutet: Entscheide und Massnahmen müssen ein geeignetes und notwendiges Mittel darstellen, um die Weiterentwicklung von OpenOlitor zu fördern. Ein Entscheid oder eine Massnahme muss zwecktauglich sein. Ein Entscheid oder eine Massnahme muss erforderlich sein. Zu Fragestellungen, die für die Weiterentwicklung von OpenOlitor weder zweckmässig noch erforderlich sind, wird keine gemeinsame Linie gesucht.
  • Mehrsprachigkeit: OpenOlitor hat nicht nur eine gemeinsame Sprache. JedeR soll die Sprache wählen, in der er/sie sich mit den anderen am besten verständlich machen kann. Verstanden und gesprochen und geschrieben werden derzeit Deutsch, Englisch und Französisch.
  • Geld, Eigentum und Macht: Wir sprechen über Geld und legen Eigentumsverhältnisse offen. Die Arbeit, die im Rahmen von OpenOlitor erbracht wird (Programmierung, Support, Beratung), soll bezahlt werden. Wir suchen nach neuen Wegen, um die Software OpenOlitor nachhaltig durch die Nutzerinnen und Nutzer zu finanzieren.
  • Aufgaben, Verantwortung und Autonomie: Wer eine Aufgabe übernimmt, übernimmt auch die Verantwortung für die Ausführung der Aufgabe. In diesem Rahmen erfolgt die Arbeiten eines jeden / einer jeden autonom.
  • Vereinfachung: Die Software OpenOlitor kann komplexe Organisationsstrukturen abbilden, die Software führt aber nicht zu einer Vereinfachung. Eine Vereinfachung der Organisationsstruktur erlaubt es, die administrativen Arbeiten zu reduzieren.

Koordination der Instandhaltung und Weiterentwicklung von OpenOlitor

Der Verein OpenOlitor koordiniert gemeinsam mit dem OpenOlitor Team und weiteren Interessierten die Instandhaltung und Erweiterung der Software OpenOlitor. Der Verein hat seinen Sitz in der Schweiz (Art. 60 ff. ZGB).

Der Verein OpenOlitor hat sich folgenden Aufgaben gegeben:

  • Instandhaltung Software (Koordination und/oder Durchführung)
  • Weiterentwicklung Software (Koordination und/oder Durchführung)
  • Unterhalt Demo- und Test-Webseite
  • Dokumentation bereitstellen
  • zentrale Adressverwaltung der Nutzer, Entwickler und Supporter
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Organisation und Finanzierung der Teilhabe an der Mitbestimmung (bspw. Spesen)

Mitglieder des Vereins OpenOlitor können natürliche und juristische Personen werden, die

  • die Software OpenOlitor nutzen und/oder
  • als Entwickler Code für die Software OpenOlitor beitragen und/oder
  • als Supporter die Software OpenOlitor bekannt machen und Nutzer/innen unterstützen
  • als Förderer oder Gönnerinnen die Instandhaltung und Weiterentwicklung der Software finanziell unterstützen. Förderer und Gönnerinnen haben kein Stimmrecht.

Finanziert wird die Instandhaltung und Weiterentwicklung der Software OpenOlitor wie folgt:

  • Alle Mitglieder beteiligen sich an einer gemeinsam getragenen Basisfinanzierung.
  • Zur Finanzierung der Erweiterungen von OpenOlitor besteht eine fakultative Finanzierung durch diejenigen Mitglieder des Vereins (und interessierte Dritte), welche die Erweiterung nutzen oder diese aus anderen Gründen unterstützen wollen.

Die Geschichte von OpenOlitor

Die Idee zur Entwicklung einer webbasierten Administrationsplattform für RVL-Initiativen wurde von soliTerre entwickelt. Der Verein soliTerre in Bern arbeitet seit seiner Gründung mit einem von Mike Beyer entwickelten Access-Admin-Tool. Dieses Tool hat sich in den ersten 5 Vereinsjahren von soliTerre bewährt und bildet deshalb auch die konzeptionelle Grundlage von OpenOlitor. Allerdings ist dieses Admin-Tool weder ausbaubar noch online zugänglich. Weil es auch nicht an neu entstehende Initiativen weitergegeben werden kann, begannen soliTerre und die Tegonal GmbH nach Alternativen zu suchen.

Zwischen dem Verein soliTerre und der Tegonal GmbH bestehen seit der Gründung von soliTerre enge Beziehungen. Das Team der Tegonal GmbH erklärte sich im Jahr 2015 bereit, an der Entwicklung von OpenOlitor mitzuarbeiten und erhebliche Eigenleistungen zu erbringen. Von Beginn an war klar, dass die neue Admin-Plattform so aufgebaut werden soll, dass sie von möglichst vielen anderen Interessierten verwendet werden kann. Zur Finanzierung des Vorhabens wurde im Herbst 2014 ein Gesuch an das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) gestellt. Einige Monate danach stellte, unabhängig von soliTerre, der Verein Bioabi ein ähnliches Finanzierungsgesuch an das BLW. Anlässlich eines Treffens wurde festgestellt, dass die Vorbereitungen seitens des Vereins soliTerre bereits so weit fortgeschritten waren, dass es Sinn machte, auf diese Grundlage gemeinsam weiter zu arbeiten. Der Verein Bioabi zog deshalb in der Folge sein Gesuch zurück, und soliTerre, Bioabi und die Tegonal GmbH gründeten im Herbst 2015 den Verein OpenOlitor, um die Plattform OpenOlitor zu entwickeln.

Bereits Anfang Juni 2016 begann die Zusammenarbeit mit einer Initiative in Deutschland: Carolin, Kristina und Wolfgang Gruber (GHS GmbH) trafen sich mit Claudia Schreiber und Thomas Rawyler vom Verein OpenOlitor (Sitz in Bern, Schweiz) in Basel , um über eine mögliche Zusammenarbeit zu beraten. In derselben Zeit, als OpenOlitor die erste Version programmierte, leistete die deutsche Initiative umfangreiche konzeptionelle Vorarbeiten für die Entwicklung eines Administrationstools geleistet (sunu bzw. CRP-Projekt). Anlässlich des Arbeitstreffens zeigte sich, dass die beiden Partner sowohl technisch als auch konzeptionell zusammenpassen und zusammenarbeiten können und wollen, um gemeinsam die Anwendung für Solidarische Landwirtschaften in der EU weiter zu entwickeln und zu vertreiben. Die Plattform OpenOlitor wird seit Beginn des Jahres 2017 durch die Initiative in Deutschland und Irland getestet und dass die Initiative den Anpassungsbedarf in Bezug auf Initiativen in Deutschland und Irland definiert. In einem weiteren Schritt sollen die Anpassungen vorgenommen und weitere Module programmiert werden, welche den Bedürfnissen der Initiativen entsprechen.

Seit Herbst 2016 besteht das OpenOlitor Team aus mehr als 10 Personen aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und Irland.